WDR Studio

Es ist ein wenig kalt an Gleis 1 des Siegburger Bahnhofs. Doch das macht nichts, da die Vorfreude auf den anstehenden Besuch beim WDR groß ist. Wir, die Klasse 8b, sind schon zum zweiten Mal zusammen bei diesem Radio- und Fernsehsender. Beim letzten Mal war der Anlass die Produktion einer eigenen Radiosendung; diesmal werden wir uns dem Fernsehen widmen. Schon beim vergangenen WDR-Ausflug haben wir einen kurzen Blick in den Raum, welcher eigens für Schulklassen eingerichtet worden war, werfen können. Die großen, grünen Greenscreenwände, die aufwendigen Kameras und die Bilder, die auf einem Bildschirm vor dem Studio gezeigt wurden, waren mir gut im Gedächtnis geblieben. Und nach dem gelungenen Tag in der Welt des Radios sind meine Erwartungen natürlich entsprechend hoch.

Pünktlich um 8:15 Uhr des 16. Mais 2018 rauschte unser Zug in den Bahnhof. Begleitet von Frau Clausing und Herrn Hierl, die für unsere leider verhinderten Klassenlehrer - Frau Scherb und Herrn Scholl - eingesprungen waren, stiegen wir ein. Wir wurden in kurzer Zeit zum Kölner Hauptbahnhof gebracht und von dort war es nicht mehr weit bis zu der riesigen Anlage des WDRs. Unser Programm trug den Namen „WDR Studio Zwei“ und war dafür gedacht, Schulklassen eigene Fernseh- bzw. Radiosendungen produzieren zu lassen. Dafür wurden verschiedene Aufgaben verteilt, Themen recherchiert und vor der Kamera vorgetragen.
Los ging es jedoch mit einer kurzen Einführung ins Fernsehen. Hier erfuhren wir unter anderem von der Funktion sogenannter Greenscreens. Dabei handelt es sich um große, grüne Leinwände, die an Wände gespannt werden. Am Computer wird dann alles Grüne in scheinbar echte Kulissen umgewandelt. So kann zum Beispiel ein Bild des Berliner Reichstags hinter dem Moderator auftauchen, sodass es aussieht, als wäre die Person wirklich an diesem Ort. Diese Technik wird verwendet, um keine echten Kulissen bauen zu müssen. Außerdem kann so bequem im Studio gedreht werden, anstatt direkt vor Ort. Das Prinzip wurde uns auch sogleich demonstriert: Drei Schüler stellten sich vor den grünen Hintergrund, und auf einem Bildschirm sah es zum Beispiel so aus, als befänden sie sich im tiefsten Dschungel. Dieser Effekt konnte noch weitergeführt werden, und zwar mit grünen Decken, die jemanden Harry-Potter-mäßig verschwinden ließen.
Anschließend wurden wir in verschiedene Gruppen eingeteilt und jeder bekam eine eigene Aufgabe. So gab es zum Beispiel zwei Aufnahmeleiter, welche die Redaktion bei Besprechungen zusammentrommelten. Zwei Mädchen wurden zu Maskenbildnerinnen, deren Aufgabe es war, passende Kostüme herauszusuchen und alle Leute vor der Kamera zu schminken. Andere kümmerten sich um Promi-News und das Wetter oder sogenannte Einspieler. Bei letzteren handelte es sich um kurze, vorgefertigte Videos, die die Zuständigen aus einer großen Auswahl an Berichten des WDRs heraussuchten. Zudem hatten wir bereits einige Tage zuvor einen Moderator und eine Moderatorin bestimmt. Diese verbanden die einzelnen Teile zu einer zusammenhängenden Sendung, indem sie das Publikum begrüßten und verabschiedeten sowie den jeweils nächsten Beitrag ankündigten. Ein weiterer Bestandteil der Sendung war die Schalte. Dabei handelte es sich um ein Interview, welches die Moderatorin mit einem Reporter führte. Dieser wurde vor dem Hintergrund einer Wolkenlandschaft ins Bild eingeblendet, von wo aus er über den ständigen Flugzeugverkehr berichtete. In Wirklichkeit befand er sich jedoch am anderen Ende des Raumes vor einem weiteren Greenscreen. Ein weiteres Highlight war eine humorvolle Talkrunde mit Studiogästen, bei der es um das Thema Außergewöhnliche Hobbys ging. Dazu zählte zum Beispiel das Singen unter der Dusche, welches durch eine Gesangseinlage illustriert wurde.
Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Mitarbeiter in der Technik. Hier gab es verschiedene Jobs, darunter drei Kamerafrauen, eine Schriftgestalterin (welche für das Einblenden diverser Informationen zuständig war) und einen Tontechniker.

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Zur Vorbereitung der Sendung begaben wir uns an verschiedene Tische, an denen bereits Mappen mit Informationen zu unserem jeweiligen Themenbereich auf uns warteten. Darin war genau erklärt, was wir in welcher Reihenfolge tun sollten. Nachdem die einzelnen Gruppen ihre Themen festgelegt hatten, gab es eine kurze Redaktionskonferenz, in der wir uns über unsere bisherige Arbeit austauschten. Auch legten wir uns auf den Sendungsnamen Teen Magazine fest. Anschließend hatten wir noch eine gute Dreiviertelstunde Zeit, um Informationen zu sammeln, gegebenfalls nach Bildern zu suchen oder uns anderweitig auf die große Aufnahme vorzubereiten. Diese fand dann in zwei ununterbrochenen Durchgängen statt. Ergänzt wurde die Sendung durch einen gelegentlichen Kameraschwenk über die Schüler, die gerade nicht beschäftigt waren und auf den Stufen saßen. Deren Aufgabe war es an dieser Stelle, laut zu klatschen und somit ein begeistertes Publikum darzustellen. Bei der ersten Aufnahme gab es noch einige Schwierigkeiten, wie beispielsweise das Ausfallen des Teleprompters (ein Gerät, das den Text der Nachrichtensprecher auf einem Bildschirm anzeigt und von dem dann nur noch abgelesen werden muss). Beim zweiten Dreh klappte es dann zum Glück besser, sodass wir am Ende eine gute Show auf die Beine gestellt hatten. Zufrieden über einen solch lustigen und produktiven Vormittag machten wir uns gegen halb zwei wieder auf den Heimweg.

Was es uns – neben dem Spaß – gebracht hat? Nun, es war sicher ein interessanter Blick hinter die Kulissen des Fernsehens, der einigen von uns vielleicht sogar neue Berufsperspektiven eröffnet hat. Auch wurde natürlich unsere Gemeinschaft gestärkt, da jeder einen Job hatte, auf den während des Drehs niemand verzichten konnte. Und wer weiß, vielleicht wird jemand aus unserer Klasse ja tatsächlich eines Tages die Sportschau oder Quarks & Co moderieren? Wenn es so kommen sollte, wüssten wir auf jeden Fall, woher das Interesse stammt.

Elisa Madelung, 8b