Während in Guatemala, dem "Land des ewigen Frühlings" im November die Trockenzeit beginnt, fängt für uns in Deutschland die dunkle, kalte und doch oft nasse Jahreszeit an. Aus dem konstant warmen Klima mit Temperaturen um die 20 Grad, geht es für 3 Austauschschüler aus Guatemala-Stadt für 5 Wochen in eine für sie völlig fremde Welt: Deutschland.

Obwohl die Austauschschüler im Alter von 14 und 18 Jahren bereits seit dem Kindergartenalter Deutsch lernen, werden sie nun das erste Mal ihre erlernten Kenntnisse in der Praxis aktiv anwenden müssen, wenn sie vom 14. November bis zum 19. Dezember zu ihren Gastfamilien nach Sankt Augustin kommen. In dieser Zeit besuchen sie zusammen mit ihren Partnern das Albert-Einstein-Gymnasium.

Guatemaltekische Austauschschüler mit Austauschpartnern, Betreuerinnen und dem Schulleiter

Eine besondere Umstellung ist es für Carmen, Elisa und Oscar, die vom Colegio Alemán in der Weltmetropole Guatemala-Stadt mit circa 3.000.000 Einwohnern in den beschaulichen und übersichtlichen Rhein-Sieg-Kreis kommen, sich auf das Wetter einzustellen. Häufig kommen die Schüler ohne Winterjacken nach Deutschland, weil sie sich die kalten Temperaturen hier nicht vorstellen können und es in Guatemala keine richtige Winterkleidung zu kaufen gibt, weil der Bedarf einfach nicht besteht.

Europa und insbesondere Deutschland hat einen hohes Ansehen in Guatemala. Obwohl das Land verschiedene Kulturen (Mayas, Ladinos, Europäer, Amerikaner usw.) beherbergt und weltweit zu den drei besten Exportländern von ausgezeichnetem, hochwertigem Kaffee, außerdem Zucker, Bananen, Kakao, Cardamon und verschiedenen tropischen Früchten und Gemüsen zählt, beeindruckt Deutschland doch über den Kontinent hinweg durch seine Organisiertheit und Pünktlichkeit der Menschen. Viele junge und gut situierte Guatemalteken lernen u.a. nicht nur aus Prestigegründen Deutsch, sondern auch, um später einmal in Deutschland studieren und arbeiten zu können und so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Guatemala zu verbessern.

Für die deutschen Schüler, die seit der 8. und 10. Klasse Spanisch lernen (Annette Claußen (15), Christiane Unkrig (15), Sarah Rüll (15) und Leonie Prinsen (18), steht neben dem Ausprobieren und Verbessern ihrer Sprachkenntnisse die Erweiterung ihres (inter)kulturellen Horizontes an erster Stelle. Für Benjamin Kopp (16 Jahre), der in den Sommerferien seinen Gegenbesuch in Guatemala durchgeführt hat, ist Guatemala „das schönste und interessanteste Land“, das er je besucht hat, denn für ihn bietet Guatemala mit seinen Vulkanen, dem Ozean und der Maya-Kultur und der Möglichkeit innerhalb einer Gastfamilie das „wahre“ Guatemala von innen heraus kennenzulernen, ein facettenreiches Reiseziel mit dem positiven Nebeneffekt, sein Spanisch noch zu verbessern.

Der Austausch zwischen dem Colegio Alemán und Colegio Austríaco in Guatemala-Stadt und dem Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und wird damit langsam aber sicher zu einem festen Bestandteil des schulischen Angebots. Frau Anne Brosius, Spanisch- und Französischlehrerin am AEG, die den Austausch initiiert hat und betreut, freut sich sehr, dass der Austausch immer mehr Interessenten findet und über das einmalige Erlebnis, das sie den deutschen Schülern ermöglichen kann. Dass das Thema Lateinamerika und die Situation der Indio-Bevölkerung in der Gesellschaft dazu noch Thema der Oberstufe ist, ist ihr nur Recht, kommen die Spanisch lernenden Schüler doch in den Genuss der authentischen Erzählungen und Erfahrungen ihrer neuen Mitschüler.